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Bilingualer Unterricht ein Erfolgsmodell

Ein Erfolgsmodell:

Studien belegen: Bilingualer Unterricht erhöht sprachliche und interkulturelle Kompetenzen

Bio, Geschichte oder Erdkunde auf Englisch?

Noch ist der bilinguale Unterricht an deutschen Schulen eine Ausnahme. Doch den Erfolg von CLIL (Content and Language Integrated Learning) belegen zahlreiche Studien. Ein Überblick.

Im Bericht des Schulausschusses der KMK vom 10.04.2006 „Konzepte für den bilingualen Unterricht heißt es, dass die besondere Qualität und Effektivität des bilingualen Unterrichts durch Untersuchungen allgemein anerkannt ist.

Ein früher Beleg dafür stammt bereits aus der Erprobungsphase des bilingualen Unterrichts in Schleswig-Holstein 1994. Zusammengefasst ergeben die Testergebnisse, dass die „kommunikativen Fähigkeiten der Schüler erheblich besser geworden sind, die Schüler sich sprachlich ungehemmter zeigen, motivierter sind und Spaß am BIU haben. (Wode: 1994, S. 83). Die Schülerbefragungen lassen sich in dem Zitat „Bili ist echt gut …auf den Punkt bringen. Gerade Eltern betonen die Notwendigkeit der Fremdsprachenbeherrschung im Hinblick auf Europa und halten Bili für „gut geeignet, um Sprachbarrieren abzubauen und Erlerntes in die Praxis umzusetzen und „besonders bei Geschichte ist es wichtig, dass ein anderer als der deutsche Blickwinkel berücksichtigt wird. (ebd. S. 82 und Lohmann: 2007 & 2009).

Die aktuellsten Daten und Zahlen stammen aus der von der KMK in Auftrag gegebenen Untersuchung „Deutsch Englisch Schülerleistungen International (DESI). An der DESI-Studie (2006) nahmen ca. 11.000 Schüler aus neunten Jahrgängen teil. Im Englischen wurden Tests verwandt zur Ermittlung von Sprachbewusstheit – Soziopragmatik, Sprachbewusstheit – Grammatik, Hörverstehen, Textrekonstruktion, Leseverstehen, Schreiben, Sprechen und interkulturelle Kompetenz.

Unter den 219 Schulen wurden 38 mit 958 Schülern in einem bilingualen Unterrichtsangebot gesondert evaluiert. In die Auswertung wurden nur Klassen einbezogen, in denen mindestens 95 Prozent der Schüler wenigstens seit der siebten Klasse an dem bilingualen Programm teilgenommen hatten. Um einen angemessenen Vergleich der Englischkompetenzen von Schülern in den bilingualen Programmen zu ermöglichen, wurde zusätzlich aus der DESI-Stichprobe eine Vergleichsgruppe von 38 Klassen mit 987 Schülern ohne bilingualen Unterricht konstruiert, die sich in ihrer Zusammensetzung hinsichtlich ihrer Deutschleistungen und der anderen Hintergrundvariablen nicht von den Schülern aus den bilingualen Klassen unterscheiden.

BILI-Schüler liegen vorn

Fazit: Die mittleren Leistungen der Schüler in bilingualen Programmen liegen in vier Bereichen auf einem höheren Niveau als die der Vergleichsgruppe: im Hörverstehen, Leseverstehen, in der Textrekonstruktion und in ihrer Schreibkompetenz. „Schüler in bilingualen Klassen haben einen sehr deutlichen Kompetenzvorsprung in allen Bereichen. Insbesondere kommen sie im Hörverständnis fast doppelt so schnell voran wie andere Klassen (DESI, S. 59f.). Außerdem sind in Klassen mit bilingualem Sachfachunterricht ethnorelativ interkulturelle Orientierungen signifikant häufiger zu beobachten als in der Vergleichsgruppe.

CLIL in Europa

Was in Deutschland BILI oder bilingualer (Sachfach-) Unterricht genannt wird, heißt in Frankreich Enseignement bilingue, in den Niederlanden Tweetalig onderwijs, in Spanien Currículo integrado oder in Dänemark Indholds-og sprogintegreret læring. (Eurydice: 2007, S. 64ff) Dahinter verbergen sich verschiedene Umsetzungen von CLIL – Content and Language Integrated Learning, wie das Sprachenprojekt bei der Europäischen Kommission und in der internationalen Forschung und Literatur heißt.

CLIL refers to the teaching of a current subject other than foreign languages in more than one language. … it seeks to develop proficiency in both the non-language subject and the language in which it is taught, attaching the same importance to each. (Eurydice: 2007, S. 7)

Das Interesse an CLIL hat in Europa in den letzten Jahren stark zugenommen, was sich an der stetig wachsenden Zahl von Schulen, die CLIL eingeführt haben, ebenso zeigt, wie an einer Vielzahl von EU-Initiativen. Underlying them is the belief that young people should be more effectively prepared for the (multi)lingual and cultural requirements of a Europe in which mobility is expanding” (Eurydice: 2007 S. 55).

Der Anstieg von fremdsprachlichem Sachfachunterricht in Deutschland kann zwar als rasant bezeichnet werden, aber er deckt dennoch nur 3 Prozent der Schulen ab bei einem geschätzten Potential von 30 Prozent. „Der Ausbau hängt damit zusammen, sagt Prof. Ebke, Direktor des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung in Tübingen, „dass wir bezüglich der Lehrpläne einen neuen Weg gegangen sind: weg von der Aufzählung von Inhalten, die es zu absolvieren gilt, hin zu einer kompetenzorientierten Arbeit, weg von einer reinen Verbreiterung des Fremdsprachenlernens, hin zu einem integrierten Konzept, auch weg von einem Modell nur für besonders Begabte hin zu einem Angebot für alle Schüler. Deswegen gefällt mir auch der englische Begriff Content and Language Integrated Learning. Er weist darauf hin, dass es sich um ein Integrationskonzept handelt. „Das Ineinander-Verwobensein von Sach- und Fremdsprachenunterricht ist das Erfolgsrezept”. (www.goethe.de CLIL in Europa).

CLIL weltweit

In Uncovering CLIL, einer Studie führender CLIL-Forscher, erinnern Mehisto, Marsh & Frigols daran, dass mit der Globalisierung etwa Mitte der 90er Jahre ein immer größeres Gewicht auf Sprachenerziehung von der Primarstufe bis zu den Sekundarstufen gelegt wird. Was die Europäische Kommission für den europäischen Kontext beschreibt, liest sich für den weltweiten Zusammenhang so: In an integrated world, integrated learning is increasingly viewed as a modern form of educational delivery designed to even better equip the learner with knowledge and skills suitable for the global age”. These (Generation Y, geboren zwischen 1982 und 2001, und die Cyber Generation, geboren nach 2001, Anm. d. Verf.) are the generations now in classrooms across the world, and CLIL is one innovative methodology that has emerged to cater to this new age”. (Mehisto, et. al.: S. 10f)

Für die Autoren geht es bei CLIL um drei Zielsetzungen: die Fachlernziele müssen ebenso erreicht werden wie die sprachlichen Ziele, und hinzu kommt der Erwerb von Lerntechniken und -strategien oder cognitive operations. Obgleich die Autoren keinen Zweifel daran haben, dass CLIL ein Erfolgsmodell ist, nehmen sie Einwände und Ängste sehr ernst.

  • Die Befürchtung, dass der Sachfachunterricht unter der fremdsprachlichen Unterrichtung leidet, wird von den Autoren widerlegt. Academic results reflecting testing in a wide variety of subjects show that students generally achieve the same or better results when studying in a second language” (Mehisto et. al., S. 20).
  • Das Missverständnis, dass CLIL nur ein Angebot für Begabte und Hochbegabte ist, wird mit dem Hinweis entkräftet, dass es zahlreiche Nationen von Luxemburg bis Singapur gibt, in denen Mehrsprachigkeit ein nationales Ziel ist und Lernende in verschiedenen Sprachen erzogen und unterrichtet werden. Weshalb CLIL so erfolgreich ist, begründen sie, wie auch andere Verfechter des bilingualen Lernens, damit, dass die Schüler die Sprache nicht um der Sprache und eines künftigen Gebrauchs willen lernen, sondern weil sie das soeben Gelernte unmittelbar umsetzen – die Fremdsprache als Arbeitssprache. CLIL is a just-in-time approach as opposed to a just-in-case approach. (Mehisto et. al, S. 21).
  • Als ungelöstes Problem hingegen wird der Mangel an geeigneten, d.h. hinreichend qualifizierten Lehrkräfte gesehen. Die Zahl derer, die sowohl eine Fremdsprache als auch ein Sachfach beherrschen, ist begrenzt. Während Deutschland den Vorteil ausgebildeter Zweifächer-Lehrkräfte hat, müssen die meisten anderen Länder Formen der Kooperation und gegenseitigen Unterstützung von Fach- und Sprachlehrern entwickeln, was mit der Ausweitung von CLIL aber auch auf deutsche Lehrkräfte zukommt. Woran es weltweit mangelt, sind spezifische Ausbildungsgänge für den bilingualen Unterricht.
Fazit

Trotz ungelöster Probleme und offener Fragen: CLIL oder der bilinguale Unterricht, in welcher Form auch immer, gilt deutschland-, europa- und weltweit eindeutig als unterrichtliches Erfolgsmodell. Er erhöht die sprachlichen Kompetenzen der Lernenden beachtlich, er befördert interkulturelles Verständnis und ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Mehrsprachigkeit.

Zuerst veröffentlicht in Praxis Englisch 6/2009

Literatur:

Euroclic, Netzwerk für Bilingualen Unterricht

Lohmann, Christa (Hrsg.): Exploring History for Bilingual Classes 1 & 2. Braunschweig: Bildungshaus Schulbuchverlage 2007 & 2009

Mehisto, Peeter/Marsh, David/Frigols, Maria J.: Uncovering CLIL, Oxford: Macmillan Publ. Limited 2008.

Unterricht und Kompetenzerwerb in Deutsch und Englisch, Zentrale Befunde der Studie Deutsch Englisch Schülerleistungen International (DESI), 2006

Wode, Henning: Bilinguale Unterrichtserprobung in Schleswig-Holstein. 1&f: Kiel 1994.


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