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Der Weg zum Lesen – auch auf Englisch

Der Einstieg zum Lesen und die Entwicklung einer lebenslangen Lesekultur beginnt nicht erst in der Schule. Prägend ist der frühe Umgang mit dem Buch: Nimmt der Nachwuchs bereits im Kleinkindalter Bücher in die Hand, lesen Eltern gern regelmäßig eine Geschichte vor; gehört das Vorlesen auch zu einem schulischen Ritual, dann entstehen gute Voraussetzungen für lebenslanges Lesen. Zum Lesen in der Fremdsprache schreibt Stephen Krashen auf Grundlage einer neueren Untersuchung:

„When children enjoy hearing stories, they get interested in reading more on their own, and their increased vocabulary, and knowledge of grammar and text structure makes reading more comprehensible and thus pleasurable. A long-term voluntary reading habit insures continuing progress in literacy development, as well as increasing knowledge of the world.“

In diesem Zusammenhang mahnt Krashen allerdings, dass auf Grund seiner Befunde ausführliche Unterbrechungen während des Vorlesens den Erfolg schmälern würden. Es sei denn, es handele sich um kurze Worterklärungen zum Verständnis des Textes oder um Nachfragen der Zuhörer. In „Narrative Dimensionen im Fremdsprachenunterricht“ weist Hans-Eberhard Piepho wiederholt darauf hin, dass auch das reine Erzählen von Geschichten zum eigenständigen Lesen motiviert.

Jahrzehntelange Forschungen haben den eindeutigen Beweis erbracht, dass der Zugriff auf Lesematerial entscheidend ist für die Entwicklung einer Lesekultur in der Schule und darüber hinaus. Dieser Prozess kann beginnen mit einer schlichten Leseecke oder einer kleinen Reading Box in jedem Unterrichtsraum der Grundschule und sollte enden in der Kooperation mit einer öffentlichen Bücherhalle, wo beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Schule ein (mehr­sprachiger) Hand­apparat zu einem Unterrichtsthema zusammengestellt wird, auch  als ein Beitrag propädeutischen Arbeitens mit Blick auf tertiäre Bildungsverläufe.

Zu den Lesetexten gehören unter anderem:

  • Literary texts (stories, poetry, novels, picture books, comics, graphic novels …)
  • Non-fiction (animals, history, inventions, sports, natural sciences …)
  • Magazines and newspapers
  • Reference (dictionaries, atlas, grammar books …)
  • Miscellaneous (catalogues, recipe books, tables, songbooks …)

Es sollte selbstverständlich sein, dass darüber hinaus auch Zugänge zu Lesetexten im Internet zur Verfügung stehen. Ergänzend zu diesen grundsätzlichen lesefördernden Maßnahmen haben Praktiker verschiedene Aktivitäten durchgeführt, zum Teil ausgehend vom Deutschunterricht, aber durchaus ergänzend oder auch ausschließlich für englische Lesetexte geeignet:

  • Organisation von Leseabenden in Zusammenarbeit mit Eltern,
  • Durchführung von Lesenächten, auf denen selbstverständlich auch englischsprachige Texte gelesen werden können;
  • Einrichtung von literature circles, was sich besonders in Schulen mit Wahlpflicht- und Freizeitangeboten anbietet;
  • Organisation eines Reading club (siehe „Toll, dass ich das allein geschafft habe!“ In: At Work. Das Englisch-Magazin von Diesterweg, Heft 27);
  • Einrichtung und Pflege einer reading list im Sinne von Janice Bland mit altersan­ge­messenen Themen und von hoher literarischer Qualität;
  • Ritualisierung von Leseaktivitäten: neben bereits oben erwähnten Beispielen vielleicht im Sinne von Goethe jeden Tag u.a. ein poem, eine short story oder überhaupt mindestens eine bestimmte Anzahl von Wörtern auf Englisch lesen;
  • versuchen, das Lesen gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen überhaupt als etwas Bereicherndes, als Schatz zu betrachten, ausgedrückt zum Beispiel durch Einführung von Reading Diaries, Book Reports oder Questionnaires
  • und schließlich: selbst ein Lesevorbild sein.

Quellen und weiterführende Literatur (Auswahl):

Aktivitäten der Stiftung Lesen

Krashen, Steven (2013): “Free Reading: Still a Great Idea.” In: Bland & Lütge, 16-24.

Krashen, Steven (2015): “Reading Aloud: What To Do and What Not To Do.“

Börner, Otfried & Brusch, Wilfried (2004): „Die Hamburger Bücherkiste für den Englischunterricht in der Grundschule.“ In: Englisch 2/2004, 146-152.

Eisenmann, Maria (2013): “Young Adult Literature in Mixed-Ability Classes.” In: Bland & Lütge, 173-182.

Edelhoff, Christoph & Schröder, Konrad (Hrsg.) (2014): Skills, Kompetenzen und Bildung / Leseverstehen im kommunikativen Englischunterricht. Perspektiven Englisch Heft 10. Diesterweg

Stritzelberger, Ingrid (2017): „Toll, dass ich das allein geschafft habe!“ In: At Work. Das Englisch-Magazin von Diesterweg, Heft 27.

Bland, Janice (2013): Children’s Literature and Learner Empowerment. London et al.: Bloomsbury.

Bland, Janice & Lütge, Christiane (eds.) (2013): Children’s Literature in Second Language Education. London et al.: Bloomsbury.

Piepho, Hans-Eberhard (2007): Narrative Dimensionen im Fremdsprachenunterricht. Braunschweig: Schroedel

Dieser Beitrag wird in Zusammenarbeit mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Englisch an Gesamtschulen (BAG) veröffentlicht.


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