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Englischunterricht in heterogenen Lerngruppen

Anregungen zum Umgang mit Heterogenität und Inklusion:

Heterogene Lerngruppen sind Alltag im Englischunterricht, dem Lehrkräfte begegnen müssen. Diese Tatsache wird im Allgemeinen eher als Druck gedeutet, der auf Lehrkräften lastet, eine Herausforderung, der es zu begegnen gilt. Es herrscht nach wie vor Unsicherheit, wie man konkret mit einer zunehmend heterogenen Schülerschaft im Englischunterricht umgehen soll.

Verschiedenheit akzeptieren

Heterogene Lerngruppen werden gefühlt noch heterogener durch die Bestrebungen der Bildungspolitik zu Inklusion. Inklusiver Unterricht ist derzeit Gegenstand zahlreicher Tagungen, Thema von Fachzeitschriften und Expertendiskussionen. Ein Grund ist die rechtliche Verpflichtung zu einer gemeinsamen Beschulung aller Kinder an allgemeinen Schulen, die im Zug der 2009 im Deutschen Bundestag ratifizierten UN-Behindertenrechtkonvention (United Nations 2008) prinzipiell von allen Eltern eingefordert werden kann. Grundlage aller Inklusion (inclusive education) ist jedoch die Akzeptanz von Verschiedenheiten. Ohne diese Grundeinstellung kann Inklusion nicht gelingen. Dieses gilt sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Kinder und Jugendlichen. In der aktuellen Diskussion überwiegen aber die Argumente gegen inklusiven Fremdsprachenunterricht.

Der Umgang mit Heterogenität, z.B. auch mit Lernenden mit Hochbegabung, mit Armutshintergrund, mit körperlichen Beeinträchtigungen, mit besonderen Förderbedarfen wie LRS, mit Migrationshintergrund, gehört ohnehin zum Tagesgeschäft für Lehrkräfte an Regelschulen und lässt den Begriff „Inklusion“ viel weniger furchteinflößend erscheinen. Wie kann inklusives Unterrichten realisiert werden, oder ist das alles nur Rhetorik? Wie ein solcher Unterricht im Fach Englisch gestaltet werden kann, zeigen die folgenden praktischen Beispiele. Sie sind zu verstehen als eine Auswahl an methodischen Anregungen, die Lehrkräfte wahrscheinlich ohnehin schon so oder anders einsetzen.

Wie kann Inklusion im Englischunterricht gelingen?

Die folgenden Beispiele zeigen methodische Wege auf, den Ansprüchen eines inklusiven Englischunterrichts gerecht zu werden (s. a. Stefanie Phlippen: Learn English – Have fun. In: Praxis Fördern 3/2013). Zu den methodischen Prinzipien zählen Visualisierung, Struktur, Hilfen, kooperative Lernformen, Differenzierung, Bewegung und offene Aufgaben.

Visualisierung

Visualisierung meint zum Beispiel die Darstellung von Unterrichtsabläufen. Wenn beispielsweise zum Thema „Hobbies“ ein Hörtext mit unterstützendem E-mail-Text und einer Zuordnungsaufgabe mit anschließender eigener Produktion geplant ist, werden mithilfe von Symbolen auf farbigen Karten (Schere für auszuschneidende Bilder auf dem Arbeitsblatt, zwei sprechende Köpfe für Gespräch über eigene Hobbys in Partnerarbeit) die Unterrichtsschritte deutlich gemacht und der Unterrichtsgang wird für die Lernenden konkreter und transparenter. Was sprachliche Mittel angeht, fungieren zusätzliche Bildkarten oder sentence strips mit chunks als Formulierungshilfen bei der Produktionsaufgabe. Selbstverständlich sind besondere Lernszenarien für hörgeschädigte Schüler erforderlich. Sie sind auf den visuellen Kanal angewiesen und benötigen die Zuwendung der Lehrkraft, unter anderem Möglichkeiten zum Lippenlesen und Skripte für Hörtexte.

Klare Strukturen und Transparenz

Klare Strukturen und hohe Transparenz bei der Unterrichtsorganisation verbunden mit guter Visualisierung sind wichtig für die kognitive Orientierung der Lernenden im Unterricht und helfen allen. Eine kleinschrittige Vorgehensweise, das Herunterbrechen einer Lernaufgabe in kleinere sub tasks und klare Arbeitsanweisungen sind vorteilhaft für Schülerinnen und Schüler mit und ohne Beeinträchtigung. Ein sehr deutlicher Phasenwechsel unterstützt die klare Strukturierung des Unterrichts. Auch eindeutige sprachliche Strukturen für die Produktion beispielsweise von Minidialogen mit der Vorgabe von words, chunks oder phrases, die je nach Bedarf mehr oder weniger ausgedehnt werden, sind hilfreich.

Hilfen

Hilfen wie zusätzliches Fördermaterial sowie Übungsmaterial erleichtern den Lernenden bei zielgleichem Fremdsprachenunterricht (d.h. alle bereiten sich beispielsweise auf den mittleren Schulabschluss vor) ihren individuellen Kompetenzerwerb, unterschieden zwischen verpflichtenden und  fakultativen Angeboten. Ebenfalls kommen Angebote für Selbstkontrollen zum Einsatz, beispielsweise in individuellen Arbeitsphasen. Kooperative Lernarrangements haben neben der helfenden auch eine soziale Komponente. Ein Beispiel hierfür sind Lernpatenschaften, bei denen ein stärkerer Schüler sich verantwortlich fühlt für den Lernzuwachs eines anderen, möglicherweise schwächeren Schülers, wenn es um die gemeinsame Überprüfung der Lösungen zu einem Bilddiktat zu Kleidungsstücken geht oder wenn ein im bildnerischen Gestalten tüchtiger Schüler mit einer sprachlich gewandten Schülerin ein Poster herstellt.

Soziale Lernprozesse mit Kooperation

Kooperative Lernformen fördern soziale Lernprozesse und sichern die Teilhabe aller Kinder am Lerngeschehen. Gruppenarbeit, die arbeitsteilig angelegt ist, weicht positiv ab von rein nach Schwierigkeiten differenzierten Materialien, da das zu bearbeitende Material im Vordergrund steht. So können z.B. zur Vorstellung von National Parks in the USA Schüler je nach Neigung und Fähigkeit unterschiedliche Aufgaben übernehmen und sich dabei gegenseitig unterstützen und ergänzen:  von der Internetrecherche über die Anfertigung und Gestaltung von Postern bis hin zur Präsentation einzelner Fakten oder komplexer Zusammenhänge.

Auch andere kooperative Lernformen vom Lerntempoduett über placemat bis zum institutionalisierten Tandemlernen (Grieser-Kindl et al. (2006): Method Guide) geben die Möglichkeit zum peer learning, beispielsweise wenn sich ein Schüler mit und einer ohne Lernbehinderung zusammen tun, um gemeinsam beim Lernen von Wortfeldern Wortkarten, wordbanks, Karteikasten, Seiten im Vokabelordner etc. anzufertigen und zu gestalten.

Bei Lernpatenschaften übernimmt ein Schüler mehr Verantwortung für die Lernprozesse beider Schülerinnen und Schüler. Er oder sie muss demnach ein gewisses Maß an Lernerautonomie haben. Hier arbeiten beim Üben von Strukturen oder Vokabeln Schüler mit und ohne Behinderung zusammen. Dabei entwickelt der „Regelschüler“ beispielsweise eigene kleine Übungen für den Schüler mit Förderbedarf oder sucht im Internet, um ein bestimmtes Wortfeld zu wiederholen oder eine einfache grammatische Struktur einzuüben.

Lernmaterial

Für den inklusiven Englischunterricht wird ein anderer Anspruch an Differenzierung im Lernmaterial gestellt. Es soll die Fähigkeiten und Interessen möglichst vieler Schüler ansprechen. Dabei muss nicht notwendigerweise nur nach sprachlichem Schwierigkeitsgrad „durchdifferenziert“ werden, sondern auch nach Inhalt, Textsorte, Aufgabenstellung oder Sozialform. Unter dem Oberthema Spooky story beispielsweise schreiben lernstarke Schüler zu einem Thema einen eigenen Text, andere suchen sich aus mehreren kurzen (!) Geschichten die beste aus, wieder andere beantworten Fragen zu einer Illustration (Who / When / Where / How / Why), eine kleine Gruppe improvisiert eine Spielszene, lernschwache Schüler beschriften eine vorgegebene Abbildung oder zeichnen selbst ein Bild oder Comic, das sie vorstellen.

Bewegung

Für alle Schülerinnen und Schüler spielt Bewegung im Unterricht eine wichtige Rolle. Energien werden positiv genutzt, ein zusätzlicher Lernkanal tritt hinzu und kann Behaltensprozesse günstig beeinflussen. Ein Beispiel hierfür sind Raps. Stärkere Schüler schreiben ihren Rap zu einem vorgegebenen Thema selbst, andere bekommen ein Skelett mit Lücken, die sie nach ihren Vorstellungen einfüllen, und wieder andere lernen einen vorhandenen Rap auswendig und tragen ihn den anderen mit entsprechender Percussion vor. Für jüngere Schüler eignen sich Action stories sehr gut (zum Beispiel We’re going on a bear hunt). Je nach ihrer Möglichkeit sprechen die Schüler die story mit oder führen lediglich die Bewegungen aus – aber alle machen mit!

Differenzierung mit offenen Aufgaben

Offene Aufgaben eignen sich gut für differenzierendes Arbeiten, insbesondere wenn sie arbeitsteilig sind und den unterschiedlichen Fähigkeiten wie Neigungen der Lernenden optimal angepasst sind. Zum Thema Australia wählen lernschwächere Schüler für eine Präsentation „Animals in Australia“ oder „Cities and places“. Sie stellen anhand von Bildern Tiere vor („This is a koala bear.“) oder zeigen die entsprechenden Orte auf einer großen Karte („You can find Brisbane here.“). Leistungsstärkere Schüler stellen detaillierte Fakten zu einem selbst gewählten Tier oder einem selbst gewählten Ort vor.

Rahmenbedingungen

Die oben genannten Beispiele sollen nicht suggerieren, dass man lediglich mit ein paar methodischen Kniffs eine perfekte inklusive Beschulung im Englischunterricht leisten kann. Es braucht ebenso an den geeigneten Rahmenbedingungen, die sowohl räumliche, materielle als auch personelle Ausstattung einschließen. Hierfür sind bildungspolitische Maßnahmen und vor allem die entsprechende Finanzierung erforderlich. Dazu ist bei allen am Bildungsprozess Beteiligten (Lernende, Eltern, Lehrkräfte, Schulbehörden) der Wille und der Wunsch erforderlich, Inklusion umzusetzen.

 

Für den Fremdsprachenunterricht sind auch didaktische Ansätze gefragt, wie man in heterogenen Lerngruppen möglichst vielen Lernenden gerecht werden kann. Das ist das Thema meines Webinars.

Klicken Sie hier, um sich zum Webinar am 5.5.2017, 17:00-18:00 Uhr anzumelden.

Anmeldung zum Webinar am 11.5.2017, 17:00-18:00 Uhr

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