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Kreativität im Englischunterricht

In kaum einem anderen Unterrichtsfeld als den Fremdsprachen lässt sich der Klassenraum derart vielfältig durch kreative Verfahren als „Spiel-, Bewegungs-, Handlungs-, Erfahrungs-“ und „Inszenierungsraum“ erschließen (vgl. Küppers & Schmidt 2009). Die Methoden des kreativen Unterrichts eignen sich besonders, um die Lernenden herauszufordern, selbstständig – schriftlich wie mündlich – mit der Fremdsprache zu experimentieren, sie zu entwickeln, zu verändern und in ihrer Vielfalt zu entdecken. Spielerische und phantasieanregende Aufgabenstellungen aktivieren und motivieren die Schülerinnen und Schüler und unterstützen sie gezielt in ihrem sprachlichen Entwicklungsprozess.

Was ist möglich in Sachen Kreativität?

Die Bandbreite der kreativen Verfahren reicht dabei vom Grundschul-Englischunterricht, in dem die Lernenden etwa mit einer Handpuppe mündlich und schriftlich interagieren (z.B. Legutke & Vogt 2011) oder einem Song eine neue Strophe hinzufügen, über verschiedene in der Sekundarstufe 1 und 2 etablierte Formen der kreativen Textproduktion (z.B. dem Verfassen einer fiktiven Postkarte, eines Newspaper Articles oder eines Letters to the Editor). Auch Rollenspiele, Formen improvisierenden Sprechens (z.B. Bus Stop Activity, vgl. Kurtz 2001, oder Powerpoint Karaoke), Simulationen (z.B. Bietz 2011), Theaterprojekte oder das Erstellen von Hörspielen, Webvideo- und Audiobeiträgen (z.B. Schmidt 2011) fördern den kreativen Umgang mit der Fremdsprache. (Für theoretische Grundlagen, Praxisbeispiele, Methoden, Lernarrangements und Forschungsergebnisse zu Inszenierungen im Fremdsprachenunterricht vgl. z.B. Küppers, Schmidt & Walter 2011)

Es besteht jedoch die Gefahr, dass in Zeiten der Kompetenz-, Standards- und Ergebnisorientierung kreative Methoden und fremdsprachliche Inszenierungsverfahren, deren Prozesse und Produkte sich den eingesetzten Messinstrumenten und Tests häufig entziehen, von Lehrkräften als wenig zielführend erachtet werden:  Kreative Verfahren seien – so eine häufige Rückmeldung in Fortbildungen  „zu zeitaufwändig“, „schwer zu benoten“ oder „nicht mit dem ‚normalen‘ Stoff vereinbar“. Stattdessen wird im Unterricht formfokussierten Übungen im Sinne eines teaching to the test häufig ein höherer Stellenwert eingeräumt. Vor dem Hintergrund, dass in Abschlussprüfungen (mittlerer Schulabschluss und Abitur) mündliche Bestandteile zukünftig verstärkt Einfluss finden (Stichwort „Kommunikationsprüfung“), bleibt zu hoffen, dass auch die vom enormen Potenzial kreativer Verfahren noch nicht überzeugten Lehrkräfte solche Methoden als geeignete Instrumente entdecken.  Ermöglichen sie doch, Sprechängste abzubauen, ermutigen zum Risk Taking und fördern die Entwicklung sprachlicher Flexibilität in kommunikativen Situationen. Darüber hinaus vergrößern sie in anregenden Lernarrangements spielerisch die Bereitschaft zum aktiven Gebrauch der Fremdsprache, ohne die Form in den Mittelpunkt zu stellen. Die verstärkte Öffnung des Unterrichts für die Phantasie und Schaffenskraft der Lernenden kann hier zum Motivationsmotor werden.

Beiträge zu kreativen Verfahren

Wie kreative Verfahren den Unterricht bereichern und welches Potenzial in der Kreativität der Lernenden steckt, fassen die folgenden Beiträge zusammen:

  • Was steckt hinter dem Phänomen „Kreativität“? Prof. Dr. Jürgen Kurtz erklärt im Interview verschiedene Ausprägungen von Kreativität, rät zu mehr Fehlertoleranz von Lehrkräften und erläutert, wie aus kreativen Fehler neue Kompetenzen entstehen. Das Interview
  • Mit Imagination besser lernen. Wie das im Fremdsprachenunterricht funktioniert und welchen Einfluss Vorstellungskraft und Dramenpädagogik auf die Persönlichkeitsentwicklung der Lernenden haben können, erläutert Almut Küppers.
  • TEA-FORUM „Kreativität im Englischunterricht“: Nach der Welle kreativer Übungsformen („Spielen im EU“, „Games and Simulations“, „Creatives Activities“ etc. ) war es in diesem Feld still geworden, nur um neuerdings mit Anregung und Gestaltungskraft für einen offeneren Unterricht wiederzukommen. Über das klassische Repertoire hinaus geht es dabei um Inszenierung und Method Skills im kompetenzorientierten Englischunterricht sowie um die Einbeziehung virtueller „Spiel“-Räume in der weltweiten Kommunikation durch das Internet.
  • Unter der Moderation des TEA-Vorsitzenden Dr. Christoph Edelhoff  berichteten und diskutierten die erfahrenen Praktikerinnen Roswitha Henseler (Fachleiterin und Lehrbeauftrage an der Universität Köln) und Ingrid Stritzelberger (Piepho-Preisträgerin, Gymnasium Ostfildern) mit Prof. Dr. Engelbert Thaler (Universität Augsburg) auf dem GMF-Bundeskongress am 13.09.2012 an der Universität Duisburg-Essen.  Prof. Thalers Zusammenfassung
  • Scenario ist die frei verfügbare dramapädagogische Zeitschrift für den Fremdsprachenkontext. Im Mittelpunkt der Ausgabe 1/2012 haben Almut Küppers und Maik Walter als Gastherausgeber verschiedene Beiträge zum Deutschen bzw. Englischen als Fremdsprache zusammengestellt und dort die Frage aufgeworfen, ob kreative Ansätze wie die Dramapädagogik überhaupt erforschbar sind. Neben den Theatercamps in Hamburg und Tübingen wird unter anderem auch ein dramapädagogischer Fachsprachenunterricht unter die Lupe genommen. Darüber hinaus werden aktuelle Neuerscheinungen vorgestellt und es gibt ein Interview mit einem irischen Regisseur sowie eine frei zugängliche Adaption für den Kaufmann von Venedig.
Literaturverweise

Bietz, Carmen (2011). Wir gründen eine Stadt! – Chancen der Sprachstadt für den Englischunterricht. In: Küppers, Almut et al. (Hrsg.), S. 93 – 103.

Schmidt, Torben & Küppers, Almut (2009). Vorhang auf! Inszenierungspotenziale im Englischunterricht. In: Praxis Englisch Heft 5/2009, S. 3.

Küppers, Almut, Schmidt, Torben; & Walter, Maik (Hrsg.) (2011). Inszenierungen im Fremdsprachenunterricht: Grundlagen, Formen, Perspektiven. Braunschweig: Schroedel, Diesterweg, Klinkhardt.

Kurtz, Jürgen (2001). Improvisierendes Sprechen im Fremdsprachenunterricht. Eine Untersuchung zur Entwicklung spontansprachlicher Handlungskompetenz in der Zielsprache. Tübingen: Narr.

Legutke, Michael & Vogt, Steffi (2011). Die Handpuppe als Inszenierungsinstrument im Englischunterricht der Grundschule. In: Küppers, Almut et al. (Hrsg.), S. 80 – 92.

Schmidt, Torben (2011). Flippin’In – Ein literaturbasiertes YouTube lnszenierungsprojekt im Englischunterricht der Klasse 11. In: Küppers, Almut et al. (Hrsg.), S. 192 – 207.


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