Fünf der besten Methoden zur Differenzierung

Die Eckpfeiler guten Unterrichts. Illustration von Klaus Puth, Mühlheim, für das Buch „Mehr Erfolg im Unterricht“

Wer kennt ihn nicht, den zähen Moment: Alle hängen rum, lassen sich Weniges aus der Nase ziehen, finden Vieles langweilig, wollen noch nicht mal mehr spielen und eigentlich lieber umgehend nach Hause. Dabei wissen wir doch: Aktive Schüler lernen mehr! Doch wie gelingt dies einem? Einen möglichen Weg stellt die Differenzierung dar.

Die erste Frage, die man sich stellen muss, lautet: Wann werden die Gehirne der Schüler aktiv? Nun, es muss sich lohnen. Dies bedeutet: Es muss die Möglichkeit und einen Grund geben, aktiv teilzunehmen. Schließlich wollen Grundbedürfnisse erfüllt werden. Und diese sind: Selbstwirksamkeit erfahren, etwas können und gestalten sowie gleichzeitig in der Gruppe einen Platz finden.

Fünf der besten Methoden zur #Differenzierung im #Unterricht sorgen für #Motivation. #Englisch #Spracherwerb

Zur Anregung stellen wir Ihnen fünf Unterrichtsverfahren aus dem Praxisbuch „Mehr Erfolg im Unterricht“ vor. Die Beispiele zeigen auf, wie auch Sie Ihre Schüler motivieren und ihnen Lernerlebnisse verschaffen, die kommunikativ und kooperativ sind sowie in hervorragender Weise geeignet sind, das „social brain“ wachzurütteln. Es handelt sich hierbei um fünf Verfahren und fünf Aufgabenstellungen für heterogene Gruppen mit dem Ziel, Wissen und kommunikative Handlungskompetenz zu erwerben. Diese Vorschläge in puncto Differenzierung sind …

  • einsetzbar für alle Fächer (Sprachbildung!), jedoch besonders für Fremdsprachen geeignet
  • erprobt und erfolgreich, auch in überwiegend lernunwilligen Gruppen
  • reich an Sprechanlässen
  • berücksichtigen Unterschiedlichkeit in Bezug aug Vorwissen, Schwierigkeitsgrad, Art und Grad der Hilfestellung, Umfang und Komplexität
  • aufwandsarm (es ist kein Papierberg zu kopieren)
  • risikoarm (für Lernende und für Lehrende)

Auf Vermutungen in Einzelarbeit erfolgt der kommunikative Austausch gemäß dem Muster „Think – Pair – Share“.

Methodenfeld A: Hypothesenbildung und Verifizierung

Schüler denken hier:

Illustration: Sebastian Coenen

Die Schüler sind durch die Informationslücke motiviert, sich etwas anzusehen, zuzuhören, zu lesen. Der Austausch mit den anderen bringt einen Gewinn durch Hilfe und Feedback. Der Abgleich mit dem Original respektive der „Wahrheit“ schafft Erfolgserlebnisse, wiederholt und erweitert das Wissen. Hierzu Beispiele:

Wer bin ich?

Aufgabe: Finde alles über Maria Stuart heraus.

Schüler stellen Entscheidungsfragen, die unterschiedlich komplex sein können. Wenn ich sie mit „Ja“ beantworten kann, streiche ich das Wort durch. Das muss nicht die Lehrkraft machen, es können auch zwei Schüler sein, die hier zum Beispiel als vorbereitende Hausaufgabe einen Text über Maria Stuart bekommen haben.

Schließlich können alle auf einem „heißen Stuhl“ Fakten nennen.

Hilfen an der Tafel lassen sich nutzen – Differenzierung durch Art und Grad der Hilfestellung.

Were you …? Did you …? Was …? Were you born in …? …?

Predictaword

Aufgabe: Vermute aufgrund deiner Ideen und deines Wissens, welche Wörter vorkommen werden.

Ein Schüler wird (mit einem Coach) mit einem Thema herausgeschickt. „What I did this morning between six and eight a.m.“. Gewiss passt dieser Ansatz auch für alle muttersprachlichen Themen, etwa wenn es um die „Weimarer Republik“, das Koordinatensystem oder den Froschkönig geht.

Der Schüler bereitet mit Hilfe des Coaches (selbstgewählter Mitschüler) einen zweiminütigen Vortrag vor. Die Klassenkameraden sagen vorher, welche Wörter er  oder sie in seinem Vortrag benutzen wird. Gewählt wird aus der Gruppe der Nomen, Verben und Adjektive. Verben werden im Infinitiv notiert und gelten in allen abgeleiteten Formen. Sprachbewussheit spielt hierbei eine wichtige Rolle: Wer die Verben „be“ und „have“ aufschreibt, ist klar im Vorteil. Und so geht’s:

  1. Jeder schreibt zehn Wörter auf einem Zettel. Einzelarbeit. Hierbei fühlen sich interpersonale Lernerpersönlichkeiten angesprochen.
  2. In Gruppen von vier Personen einigt man sich auf sechs Wörter. Durch den Austausch lernen alle, langsame Lerner erfahren mehr, schnelle hingegen lernen begründen und erklären ihre Auswahl. Vorwissen wird so für alle aktiviert.
  3. Aus allen Gruppen wird eine Wortliste (Gruppenhypothese) zusammengetragen und auf der Tafel bzw. Flipchart festgehalten.
  4. Wer will, kann Wetten abschließen lassen: „Tom, was sagst du, wie viele von den genannten Wörtern wird sie sagen?“
  5. Der Schüler kommt mit seinem Coach herein; beide sitzen vorne, er hält seinen Vortrag.
  6. Die verdeckten Wörter (zugeklappte Tafel, umgedrehte Flipchart) werden abgehakt.

Statt eines Vortrags kann man auch einen Film, ein Bild (Which items do you expect to see in a picture of an American classroom?) oder einen Lesetext einsetzen. Man kann das auch in Partnerarbeit machen lassen – ohne Gruppenhypothese.

Tee oder Kaffee 

Aufgabe: Vermute und entscheide dich, was richtig und was falsch ist.

Lerner bekommen ein Blatt mit Aussagen wie: I prefer coffee to tea, I never lie, my father’s name starts with M, I was born in Berlin, etc. und sie tragen ein, wie viele ihre Mitschüler diesen Satz bejahen werden.

Danach wird die tatsächliche Zahl in einem Total Physical Response Verfahren ermittelt: Es gibt einen Teil im Raum „ja“ und einen „Nein“- Teil. Das Statement wird vorgelesen und alle, die es bejahen, versammeln sich auf einer Seite. Diese werden gezählt, die Zahl wird aufgeschrieben, nachher wird verglichen, Punkte werden ermittelt.

Selbstverständlich kann man dieses Verfahren auch ohne Hypothesenbildung einsetzen, einfach um als Kurzdiagnose Hör-, Seh- und Leseverstehen eines Textes zu ermitteln. Oder man stellt eine True/False-Übung in den Raum: Gretl went into the woods. Hänsel was her father, etc.

Methodenfeld B: Kooperation mit Partnern

Konstruktive Partnerarbeit vervielfacht die Möglichkeit, aktiv zu werden. Voraussetzung ist, dass die Rolle des Partners klar definiert ist. Der Partner ist Trainer, das heißt er hilft, verstärkt richtige Antworten und spricht Lob aus. Das Feedback erfolgt insofern unmittelbar.

Schüler denken in diesem Fall:

Illustration: Sebastian Coenen

Faltblatt

Nach wie vor ist das Tandemfaltblatt der Renner. Der Wert von Kooperation wird hier für jedes Lernen unmittelbar einsichtig.

Der Text ist in zwei Spalten kopiert und hat Lücken. Was der eine nicht hat, hat der andere unterstrichen. Das Feedback kommt in Sekundenschnelle und ich habe alle Chancen schnell und hocheffektiv zu lernen. Danach als Selbsttest die gefalteten Seiten ausfüllen lassen, aufklappen, vergleichen – sensationell. Erfolg ist Magie.

Methodenfeld C:  Mit Lerngeländer/Scaffolding ein Gemeinschaftsprodukt erstellen.

In der Gruppe entstehen eine oder mehrere Produkte (Geschichte, Beschreibung). Der Einzelne trägt Verantwortung, hat aber Hilfe (Partner oder Lerngeländer) Das Produkt ist eine Gemeinschaftsproduktion. Es muss keinem peinlich sein, es ist aufgrund des Lerngeländers fast fehlerfrei und bildet den Ausgangspunkt für weitere Recherchen oder Schreibprodukte.

Schüler denken hier:

Illustration: Sebastian Coenen

Karussell der Eigenschaften

Aufgabe: Die Lehrkraft stellt eine Frage. Du hast einen Satzanfang. Was fällt dir ein? Schreibe nur eine Sache auf. Dann gib dein Set mit Bild weiter. Du bekommst ein neues Set, ergänze daraufhin den nächsten Impuls.

Dann wähle eine Beschreibung und mache sie noch besser. Ziel ist, durch Weitergeben eines „Sets“ (Blatt plus Bild) eine Beschreibung des Bildes herzustellen, das durch Weitergeben jeweils auf den Impuls der Lehrkraft hin und durch ein Gerüst von Satzanfängen (her name is../She likes …/her favourite colur is …/At the moment she is …) vervollständigt wird.

So können Personenbeschreibungen entstehen, die dann vorgelesen und den Bildern zugeordnet werden. Jede Stufe der Differenzierung nach Schwierigkeitsgrad und Komplexität ist denkbar: vom gerade mit dürren Wörtern ergänzten „Skelett“ bis zu einem komplexen Profil einer Person, welches sich in Simulationen verwenden lässt.

Don’t be shy. Have a go. They will love it!

 


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