Gute Aufgaben stellen – nicht nur im Distanzunterricht

Der Englischunterricht auf Distanz und die Kombination von Online- und Präsenzunterricht haben noch einmal deutlich gezeigt, wie wichtig gute Aufgaben sind. Doch welche Kriterien müssen Aufgaben erfüllen, damit sich die Lernenden engagiert auf sie einlassen?

Lernende beteiligen

Es hat sich gezeigt, dass sich projekt- und produktorientiertes Lernen eignet, Lernende zu motivieren. Gute Aufgaben bieten unterschiedliche Zugänge an und eröffnen vielfältige Lernwege. Gute Aufgaben sind ergebnisoffen angelegt und ermöglichen individuelle Lernprodukte. Die Lernenden sollten unbedingt in die Unterrichtsplanung einbezogen werden. Sie sollten die Möglichkeit haben, selbstbestimmt, eigene Themen und mögliche Produkte auszuwählen beziehungsweise vorzuschlagen. Wenn man Schülerinnen und Schülern Verantwortung überträgt und sie entscheiden lässt, wie sie das Lernprodukt gestalten, wird man überrascht von dem Engagement und der Kreativität der Lernenden sein.

Tipp: Es bietet sich an, eine neue Aufgabe vor dem Online-Unterricht mit einer Gruppe von Lernenden zu besprechen und deren Anregungen aufzunehmen. Dieser task force kann die Lehrkraft auch die Erklärung der Aufgabenstellung im Videochat überlassen.

Aufgabeninstruktion als Scaffolding

Wie wichtig die Aufgabeninstruktion ist, ist besonders in der Phase des Distanzlernens und im Online-Unterricht deutlich geworden. Während im Präsenzunterricht direkt individuell unterstützt werden kann, ist es im Online-Unterricht mühsamer, das Verständnis zu sichern und Verständnisschwierigkeiten schnell auszuräumen. Die Aufgabenstellung stellt ein zentrales Unterstützungsangebot dar, das eigenständiges Arbeiten erleichtert und den Lernerfolg auf Seiten der Schülerinnen und Schüler sichert.

Daher sollten Arbeitsaufträge einfach und klar formuliert und gegebenenfalls in Schritte eingeteilt sein. Visualisierungen, zum Beispiel Symbole für Sozialformen oder Methoden wie bus stop, unterstützen zusätzlich das selbstständige Erschließen des Arbeitsauftrags. Die Aufgabenstellung kann abhängig von der Klassenstufe beziehungsweise dem Lernstand zudem zweisprachig angeboten werden.

Tipp: Um sicherzustellen, dass alle den Arbeitsauftrag verstanden haben, wird ein task check nach dem Videochat angeboten. Freiwillige task checkers oder assistant teachers gehen dann erneut auf Fragen ein.

Digitale Lernumgebungen schaffen

Mit Hilfe einer digitalen Pinnwand wie Padlet können komplexe digitale Lernumgebungen geschaffen werden. Als Unterstützung zur Erstellung des Lernprodukts wird ein Modell angeboten, dem die Lernenden die Kriterien für die target task sowie sprachliche Versatzstücke entnehmen können. Weitere Differenzierungsmaßnahmen stellen Redemittel (language support) sowie Checklisten zur Erstellung und zur Überprüfung des Lernprodukts dar. Die Aufgabenstellung kann als Arbeitsauftrag visualisiert oder in Form von task sheets hinterlegt werden.

Zusätzlich sind als Audio- oder Videobotschaft aufgenommene Arbeitsanweisungen eine sinnvolle Unterstützung für Lernende, die Probleme mit dem schriftsprachlichen Verstehen haben. Die Vorteile des Padlets liegen auf der Hand: Alle Scaffolding-Angebote sind während des Arbeitsprozesses jederzeit nachlesbar und können zeit- und ortsunabhängig im individuellen Tempo in Anspruch genommen werden. 

Tipp: digitale Pinnwände 

Digitale Pinnwände können als virtuelles Klassenzimmer genutzt werden und erleichtern die Kommunikation und die Kollaboration im Distanzunterricht. Man kann zwischen verschiedenen Formaten wählen. Die Padlets können mit Inhalten – Bilder, Videos, Audioaufnahmen, Links – gefüllt und kontinuierlich erweitert werden.

Die Einrichtung des Padlets ist einfach. Lehrkräfte müssen sich lediglich kostenlos registrieren (https://padlet.com/). Lernende benötigen keine Registrierung und erhalten eine Einladung per Link oder QR-Code. Padlet kann auch als App für mobile Endgeräte heruntergeladen werden. Lernende nutzen das Tool zum Beispiel auf ihrem Smartphone. In den Einstellungen lässt sich festlegen, wer das Padlet einsehen kann (Status geheim oder passwortgeschützt). Da man lediglich drei kostenlose Padlets erstellen kann, sollte man weitere Möglichkeiten nutzen, etwa trello, timetoast oder wakelet. (Bitte beachten Sie die die Datenschutz-Richtlinien Ihrer Schule.) 

Interaktion und Kommunikation ermöglichen

Gute Aufgaben ermöglichen Interaktion und Kommunikation und gewährleisten einen (fremdsprachlichen) Lernzuwachs. Die einfachste Möglichkeit, den Austausch der Lernenden untereinander anzuregen, stellen simultane Austauschphasen in Partnerarbeit dar. Allerdings gestaltet sich Partner- und Gruppenarbeit im Distanzunterricht schwieriger als im Präsenzunterricht.

Damit Online-Unterricht interaktiv ist, muss man kooperative Phasen einplanen. Arbeitet die Schule mit einer Kommunikationsplattform wie Teams von Microsoft, dann ist es möglich, channels für die Austauschphasen in Zweier- oder Viererteams einzurichten. Klare Arbeitsaufträge, Redemittel für den Austausch und Hinweise, wie die Ergebnisse festzuhalten und zu übermitteln sind, gewährleisten eine ertragreiche Arbeitsphase.

Die Lernenden sollten zusätzlich angehalten werden, unterschiedliche Möglichkeiten zu nutzen, um in Kontakt zu treten. Sie können schriftlich im Chat oder per Messenger kommunizieren oder mündlich per Videochat. Am schnellsten funktionieren die Absprachen jedoch am Telefon.

Digitale Lernumgebungen bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Interaktion der Lernenden untereinander, unter anderem durch schriftliche Kommentierung oder durch konstruktives Feedback. Zur sprachlichen Unterstützung sollte die Lehrkraft auch hier Redemittel anbieten, aus denen die Lernenden auswählen können.

Tipp: Im Distanzunterricht haben sich Lernpartnerschaften bewährt. Wechseln die learning buddies wöchentlich, wird der Austausch und die Zusammenarbeit mit möglichst vielen Mitschülerinnen garantiert.

Rückmeldung zu den Aufgaben geben

Rückmeldungen sind entscheidend für den Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler und in der Phase des Distanzunterrichts wichtiger denn je. Sie können als Peer Feedback erfolgen oder durch die Lehrperson vorgenommen werden.

Lehrende können eine Rückmeldung zu Schülerbeiträgen als Audio- oder Videofeedback geben. Das funktioniert gut bei Audioaufnahmen von Schülerpräsentationen oder Lesevorträgen. Dabei können auch gleich Tipps zur Verbesserung der Aussprache aufgesprochen werden. Selbstverständlich erhalten nicht alle Schülerprodukte eine ausführliche Rückmeldung. Hier sollte selektiv vorgegangen werden. Außerdem lassen sich im Rahmen der Videokonferenz einzelne Ergebnisse vorstellen.

Zur Entlastung der Lehrenden und um die Kooperation innerhalb der Lerngruppe anzuregen, kann die Rückmeldung auch an Schülerinnen und Schüler übertragen werden. So werden alle Schülerprodukte wertgeschätzt und gleichzeitig die Kriterien des Lernprodukts verdeutlicht. Dabei haben sich Checklisten bewährt. Sie können einmal zur selbstständigen Überprüfung der Lernprodukte genutzt und zudem in der Phase des Peer Feedback zum Einsatz kommen. Gleichzeitig wird ein kriterienorientiertes konstruktives Feedback angeregt.

Tipp: Zwei Aufgaben, die sich nicht nur im Distanzunterricht eignen, sind das Fotoprojekt The View from my Window und die Erstellung von booksnaps zur Visualisierung individueller Leseerlebnisse. Hinweise zur Durchführung sowie Downloadmaterialien finden sich hier.

Zum Weiterlesen:

Grieser-Kindel, Christin/ Henseler, Roswitha/Möller, Stefan. 2016. Method Guide 1 – Methoden für den Englischunterricht. Klasse 5-13. Paderborn: Schöningh. 6-8.

Müller-Hartmann, Andreas/Schocker, Marita/Pant, Hans Anand. 2013. Kompetenzentwicklung in der Sek.I. Lernaufgaben Englisch in der Praxis. Braunschweig: Diesterweg. [Videobeispiele]


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