Hotel Relaxo – eine globale Simulation

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Seit vielen Jahren führt Katharina Einhoff  globale Simulationen im Unterricht durch. Für das Projekt Welcome to the Hotel Relaxo mit einer sechsten Klasse erhielt sie 2017 den Hans-Eberhard-Piepho-Preis. In diesem Projekt spielt Kooperation auf unterschiedlichen Ebenen eine Rolle. Im Gespräch mit der At work-Redaktion stellt sie die globale Simulation vor.

At work: Was genau ist eine globale Simulation?

Katharina Einhoff: Bei einer globalen Simulation wählt man einen Realitätsausschnitt, z. B. ein Mehrfamilienhaus, ein Kreuzfahrtschiff, einen Zirkus oder eben ein Hotel und erweckt diesen Handlungsraum zum Leben. Bei der Durchführung einer globalen Simulation kann man prinzipiell drei Phasen unterscheiden. In der ersten Phase wird der Ort festgelegt, in unserem Fall ein fiktives Hotel in der englischen Stadt Bath. Dann denkt sich die Klasse einen Namen für das Hotel aus und beginnt es auszustatten: Für wie viele Gäste ist Platz? Wie viele Sterne hat es? Welche Serviceleistungen bietet es? Gibt es ein Restaurant? Einen Pool? Die Lernenden erstellen Werbeprospekte, malen Bilder, denken sich Telefongespräche mit der Hotelrezeption aus, stellen Hotelregeln auf usw. Dann werden Personen erschaffen, die in dem Hotel agieren. Die Jugendlichen entscheiden, ob sie als Gäste oder Angestellte in dem Hotel sind, und überlegen für sich selbst z. B. einen Namen, Alter, Vorlieben und Abneigungen. Das alles wird auf identity cards festgehalten. Damit die Identität richtig gefestigt wird, werden Autobiografien und Tagebucheinträge geschrieben.

In der zweiten Phase interagieren die Personen in diesem Handlungsraum: Gäste checken im Hotel ein, erhalten Wegbeschreibungen und erkunden die Gegend. Hier kommt landeskundliches Wissen mit ins Spiel: Was gibt es in und rund um Bath zu sehen? Im Restaurant wird gegessen, Postkarten werden geschrieben, an der Rezeption werden Lösungen für Beschwerden gefunden … Wichtig ist, dass der Spielfluss nicht unterbrochen wird.

Das klingt nach sehr viel Arbeit.

Katharina Einhoff: Ja, aber es hat sich gelohnt. Meine Kollegen sind toll mitgezogen. Es wirkt sich natürlich sehr positiv auf das Arbeitsverhalten der Schülerinnen und Schüler aus, wenn sie merken, dass die Lehrkräfte kooperieren und die gleichen Ziele verfolgen.

Wie sah die Kooperation auf Schülerseite aus?

Katharina Einhoff: Das geschah auf Klassenebene und in Gruppenarbeiten. Natürlich mussten sich die Lernenden auf vieles einigen, den Namen, die Ausstattung des Hotels usw. Hier sind wir demokratisch vorgegangen, haben Vorschläge gesammelt, diese begründet und dann gewählt. In den Partner- und Gruppenarbeitsphasen wurden Dialoge zu Telefonaten oder Rezeptionsgesprächen oder auch den Beschwerden der Hotelgäste erstellt. Hierfür habe ich den Schülerinnen und Schülern sprachliche Hilfestellungen, z. B. Redemittel, Flussdiagramme oder weitere scaffoldings an die Hand gegeben. Die Gruppen konnten dann ihrer Kreativität freien Lauf lassen und gestalten.

Wie reagieren die Lernenden auf so eine Simulation?

Katharina Einhoff: Manchmal gibt es Probleme mit der Anfangsmotivation. Ältere Lernende sind schon mal skeptisch, weil eine Simulation für sie sehr viel Arbeit bedeutet. Meine Erfahrung war aber immer, dass am Ende alle begeistert waren. Meistens lassen sich die Schülerinnen und Schüler auf das Projekt ein, sobald sie eine Identität für sich gefunden haben. Dann muss man nicht mehr viel motivieren. Schwierig kann es auch werden, wenn sich die Lernenden nicht einig sind, z. B. in Bezug auf den Namen des Hotels, oder wenn sie sich nicht mehr an das halten möchten, was bereits geschaffen wurde, sondern Neues entwickeln wollen. Dann muss die Lehrkraft den Konflikt moderieren und eine Lösung mit den Beteiligten herbeiführen.

Was raten Sie Lehrkräften, die Lust haben, eine Simulation durchzuführen?

Katharina Einhoff: Ich möchte allen Mut machen, eine globale Simulation auszuprobieren. Es ist so gewinnbringend für die Klasse und die Fremdsprache. Der Aufwand lohnt sich in jedem Fall. Ich habe alle Lernenden hoch motiviert erlebt, während der Simulation und vor allem danach. Sie waren so stolz auf das, was sie geschaffen haben. Auch für mich selbst ist jede neue Simulation immer wieder ein Gewinn.

At work: Vielen Dank für das Gespräch!

Lesen Sie in At work 28 über unerwartete Ereignisse im Hotel Relaxo, über Schülerprodukte und was daraus geworden ist. Katharina Einhoff verrät auch, welche Fächer sie in die globale Simulation eingebunden hat und wie viel Arbeit in dem Projekt steckt.


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