Pro Inklusion: Anregungen für Elterngespräche

Inklusion ist seit einigen Jahren das pädagogische Schlagwort schlechthin, das bis zum Schuljahr 2018/19 gängige Praxis in unseren Schulen werden soll. Doch wie begegnen Lehrerinnen und Lehrer den Eltern, die den Lernfortschritt ihrer Kinder gefährdet sehen? Halten „schwächere“ Schülerinnen und Schüler tatsächlich ihre „stärkeren“ Klassenkameraden auf?

Die Freiburger Didaktik-Professorin Dr. Marita Schocker sieht im gemeinsamen Lernen die Vorteile überwiegen:

„Langzeitstudien an Gemeinschaftsschulen konnten belegen, dass vom gemeinsamen Lernen in heterogenen Lerngruppen beide Gruppen „profitieren“: Wenn Lehrer/innen sich nicht nur als Fachlehrer sondern auch als Pädagogen und Bildungsberater verstehen, tragen sie zu einem respektvollen Miteinander bei und ermöglichen Erfahrungen eigenverantworteten Lernens für alle Kinder, die alle stärken.

„Schwächere“ Kinder entwickeln dadurch ein höheres schulisches Selbstbewusstsein und ein Zutrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Dies wirkt sich auch positiv auf ihre Leistungen aus und erhöht ihre Bildungschancen und damit die Möglichkeit zur sozialen Teilhabe.

„Stärkere“ Kinder fallen in ihrer Leistung nicht etwa zurück, sondern können aus einem differenzierten Bildungsangebot diejenigen Bereiche auswählen, für die sie sich interessieren. Dabei lernen sie, Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen. Eine große Mehrheit der Kinder hat eine positive Einstellung zum Lernen in heterogenen Gruppen und erfährt die Anforderung, mit anderen zu kooperieren als sozial bereichernd und motivierend.“

Studiendirektor a. D. Otfried Börner, der die Beratungsstelle für Fremdsprachen am Hamburger Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung leitete, kann dem inklusiven Unterricht ebenfalls viele positive Punkte abgewinnen:

„Auf den ersten Blick erscheint es plausibel, dass „gute“ Lerner nur benachteiligt werden könnten, wenn sie mit „schwächeren“ Lernern gemeinsam unterrichtet werden. Erstaunlich ist allerdings, dass in der Schulform mit der größten Heterogenität, nämlich der Grundschule, bei allen Beteiligten (Eltern, Lehrer, Kinder) die größte Zufriedenheit herrscht und auch alle Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit gefördert werden. Das wird bestätigt durch zahlreiche internationale wissenschaftliche Studien, in denen nachgewiesen wurde, dass  längeres gemeinsames Lernen ohne Ausgliederung zu den größeren Erfolgen für alle führt.

Dieses bezieht sich nicht nur auf die Fachleistungen, was sicherlich sehr wichtig ist, sondern auch auf die Aneignung sozialer Haltungen, wie zum Beispiel Toleranz, Hilfsbereitschaft und Empathie gegenüber anderen. Gerade solche „Tugenden“ spielen im späteren gesellschaftlichen und beruflichen Leben eine entscheidende Rolle. Sie können beim gemeinsamen Lernen erworben und gelebt werden.“


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