Lesen fördern im Englischunterricht

Hilft man den Schülerinnen und Schülern, in der Fremdsprache so zu lesen, wie sie es auch in einer gewohnten Sprache tun, wird bald klar: Reading is fun – even in English.  Der Beitrag erklärt pre-, while- und post-reading activities, die das Lesen auf Englisch fördern.

Was die Leselust in der Fremdsprache weckt

So manche Englischlehrkraft beneidet ihre Deutsch unterrichtenden Kollegen: Deren Schülerinnen und Schüler lesen im 5. Schuljahr direkt los, steigen schnell in den Inhalt ein und lesen oft aus purer Neugier weiter. Leider scheinen viele junge Leserinnen und Leser ihre Lesestrategien aus der gewohnten Sprache nicht in die Fremdsprache zu übertragen: Sie lesen nun alles Wort für Wort und wollen jeden vermeintlich unklaren Ausdruck nachschlagen. Leselust entwickeln sie dabei nicht. Spezielle Methoden, das Lesen zu fördern sind notwendig: Hilft man den Schülerinnen und Schülern, in der Fremdsprache so zu lesen, wie sie es auch in einer gewohnten Sprache tun, wird bald klar: Reading is fun – even in English

Vor dem Lesen übers Lesen sprechen

Wenn das selbstsichere Lesen auf Englisch schwerfällt, hilft es oft, über das Lesen selbst zu sprechen: Was ist das Gute am Lesen? Was fällt den Schülerinnen und Schülern am Lesen auf Englisch leicht, was schwer? Dabei lassen sich Vorlieben erkennen, Ängste nehmen und das Lesen gewinnt an Bedeutung. Ein guter Tipp: Jede Woche eine Viertelstunde im Englischunterricht fürs Schmökern reservieren, das veredelt den Lesestatus noch mehr. Ein wichtiges Thema für den Elternabend: dem Lesen zu Hause mehr Gewicht verleihen.

Bevor losgelesen wird

Eine ganze Reihe an pre-reading activities eignet sich, die Neugier der Schülerinnen und Schüler zu wecken: Ein Bild sagt mehr als viele Worte. Jüngere Jahrgänge forschen etwa in den Abbildungen nach ungewöhnlichen Gegenständen oder der Mimik der Figuren. Ältere erfinden vielleicht Untertitel zum Bildmaterial und stellen so erste Vermutungen an, wovon die Story handelt. Wer sich mit Titel und Zwischenüberschriften auseinandersetzt, baut ebenso Erwartungen an das Lesematerial auf: Welcher Abschnitt verspricht am meisten Spannung und warum? Ein guter Einstieg in die Lektüre ist die Kettengeschichte: Die Lehrkraft liest den ersten Satz einer Geschichte. Ein Schüler oder eine Schülerin erfindet den nächsten und zeigt auf ein anderes Kind, das das Spiel fortsetzt. Wenn es stockt, klatscht der Lehrer in die Hände und bestimmt den nächsten Satzerfinder. Noch lustiger wird’s, wenn dabei auf einem Handy oder Diktiergerät Satz für Satz aufgenommen wird. Nach so viel Vermuten will die Klasse sicher nachlesen, um was es in der Geschichte wirklich geht.

Skimming, scanning, taking notes

Auch während des intensive reading ist viel Unterstützung möglich. Beim Skimming geht es darum, den Text in einem Gang zu überfliegen, ohne Wörter nachzuschlagen. Die Schülerinnen und Schüler sollen nur versuchen, den Hauptinhalt zu erfassen – im Prinzip das, was die meisten Zeitungsleser tun. Erst während des Scanning schauen sie genauer hin und suchen Schlüsselbegriffe oder Antworten auf die journalistischen Fragen nach dem Who? When? Where? What? Why? Am besten gleich mit dem Stift in der Hand: Das Anstreichen von unbekannten oder wichtigen Begriffen und Notizen am Rand sind jetzt ausdrücklich erwünscht!

Nachlese

Viele post-reading ativities zum Nachbereiten des Gelesenen sprechen besonders die Kreativität an. Ein Beispiel: Was verbirgt der ominöse Fremde in der Geschichte in seinem Koffer? Dazu fällt der Klasse sicher viel ein. Oder die Schülerinnen und Schüler bringen sich selbst als neue Figur in die Geschichte ein: Welche Person wäre das und wie würde das die Handlung verändern? Beliebt sind auch Aufgaben, die das Sprechen stärker betonen, wie das Rate-Interview: Ein Kind versetzt sich in eine Figur der Geschichte und antwortet so lange mit Yes und No auf die von der Klasse gestellten Fragen, bis jemand weiß, wer gemeint ist. Noch aktiver: Die Schülerinnen und Schüler spielen Pantomime zu Textstellen, die der Lehrer vorliest. Das ergibt auch gute Fotomotive für eine Bildergeschichte als Postercollage oder für das Portfolio. Ein wichtiger Zusatzaspekt zu den genannten activity-Beispielen zum Lesen und Leseverstehen ist, einen Bezug zum eigenen Erfahrungshorizont der Schülerinnen und Schüler herzustellen: Wer sich selbst in der Geschichte wiederfindet und Ähnliches erlebt hat, kann vieles berichten. Das ist der Einstieg in eine lebendige Diskussion, die oft mehr spannende Geschichten zutage fördert.

Mehr Tipps zur Leseförderung lesen Sie hier unter den Schlagwörtern Lesen und Lesekompetenz.

Bildquellen

  • young reader: Illustrationen: Ulf Marckwort, Kassel, für Westermann

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