Welche Rolle spielt die pädagogische Medienkompetenz?

Wie alles begann: Digitale Medien in Deutschlands Schulen

Relativ unbürokratisch initiierte 1996 das damalige Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie mit der Deutschen Telekom den gemeinnützigen Verein Schulen ans Netz e.V. Gemeinsam mit Vertretern der Bundesländer und Kommunen setzten sie sich zum Ziel, alle Schulen in Deutschland mit Computern auszustatten und kostenlos ans Internet anzubinden.

„Nach nur knapp fünf Jahren waren 2001 alle Schulen am Netz“, sagt Maria Brosch, Geschäftsführender Vorstand des Vereins, in einem Bericht auf bildungsklick.de. „Doch schnell wurde klar, dass die Computer an den Schulen ohne didaktisch-methodische Anleitungen und Angebote nicht in der Praxis genutzt werden oder gar verstauben.“

Auch wenn der Schritt überraschend schnell umgesetzt werden konnte, konzentrierte sich der Verein bis zu seiner Einstellung Ende 2012 auf die Konzeption von Themenangeboten, Projekten, virtuellen Arbeits- und Kommunikationsplattformen sowie Fortbildungen und Veranstaltungen. Sowohl Lehrer als auch Schüler setzten sich dort mit der digitalen Welt auseinander. Anfang 2013 beauftragte die Deutsche Telekom das Institut für Demoskopie Allensbach, bundesweit Lehrende und Lernende zu ihren praktischen Erfahrungen, zu den tatsächlichen Auswirkungen im Schulalltag zu befragen.

Die Ergebnisse in Kurzform: Grundsätzlich traten die meisten Lehrer der digitalen Mediennutzung aufgeschlossen entgegen, lediglich 10 Prozent sahen dabei Nachteile. Die Medien, die im Unterricht eingesetzt wurden, dienten hauptsächlich dazu,  Filme oder Präsentationen zu zeigen. Eine kreative Nutzung durch die Schüler, zum Beispiel für die Erstellung von Hörspielen oder Filmen zu Unterrichtsthemen, bildete noch die Ausnahme.

Auch wenn die Umfrage ergab, dass mehr als die Hälfte der Lehrkräfte ihre digitale Medienkompetenz als gut bis sehr gut einschätzten, zeigte sich jedoch die Krux in der Ausstattung der Schultypen mit der entsprechenden Technik. Grundschulen waren weniger gut als weiterführende Schulen ausgestattet, Haupt- und Realschulen besitzen seltener als Gymnasien frei zugängliche PC-Arbeitsplätze, interaktive Whiteboards und andere digitale Arbeitsmittel.

Heute: Vermittlung von Medienkompetenz in der Lehramtsausbildung

Doch wie kommt es, das digitale Medien im Privaten allgegenwärtig vorhanden scheinen, in der Schule jedoch nicht. Damit digitale Medien Einsatz im Unterricht finden, müssen vor allem Lehrerinnen und Lehrer damit umgehen können. Dr. Stefan Aufenanger, Professor für Erziehungswissenschaft und Medienpädagogik an der Universität Mainz, beschreibt die gegenwärtige Situation so:

„Die jungen Lehramtsstudierenden sind in Sachen Medienkompetenz nicht ganz so fit wie man immer glaubt. Sie kommen mit bestimmten Erfahrungen aus ihrer eigenen Schulzeit an die Universität, wollen diese einfach weiterführen und sind noch sehr skeptisch bezüglich des pädagogischen Einsatzes der Neuen Medien. Sie selbst benutzen sie sehr viel, insofern sind sie fit. Aber sie sind nicht fit, sie pädagogisch sinnvoll einzusetzen.“

Damit also Schülerinnen und Schüler eine zeitgemäße Ausbildung erhalten können, müssen die Grundsteine dafür bereits in der Lehrerausbildung gelegt werden. Doch genau dort hapert es laut Aufenanger am stärksten. Noch hinkten die deutschen Hochschulen in Sachen Medienpädagogik, Computerausstattung und beim Einsatz digitaler Medien in der akademischen Lehre international hinterher. Zudem sei es wichtig – wie häufig bei neuen Themen – dass sich Lehrerinnen und Lehrer Verbündete in den eigenen Reihen suchten.

„Für junge Lehrer […] ist es ganz wichtig, dies in Kooperation mit anderen und vor allem mit der Schulleitung zu machen. […] es wäre ganz wichtig, mit anderen darüber zu reden, seine eigenen Erfahrungen auch weiterzugeben, andere einzubinden, Kooperationen herzustellen. Und einfach mal von unten etwas auszuprobieren. […] Und die zweite Möglichkeit ist, innerhalb des Lehrerkollegiums eine eigene Fortbildung anzubieten: ‚Ich zeige Euch mal, was ich mit dem Gerät machen kann, was ich mit dem Programm machen kann. Oder welchen mediendidaktischen Ansatz ich dort einsetze.’“

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