Wie entsteht ein ausgezeichnetes Schulbuch?

Am 19. Februar 2019 zeichnete das Georg-Eckert-Institut gleich zwei Lehrwerke der Westermann Gruppe mit dem Titel „Schulbuch des Jahres“ aus. In der Kategorie Sprachen gewann das Englisch-Lehrwerk  Camden Town Oberstufe  für die Einführungsphase. Wir haben mit Preisträger Thorsten Schimming, dem Redakteur des Lehrwerks gesprochen.

Lieber Herr Schimming, erst einmal herzlichen Glückwunsch an das Camden Town Oberstufe-Team für den Titel „Schulbuch des Jahres“! Das Georg-Eckert-Institut zeichnet damit jährlich besonders gelungene Bildungsmedien aus.

Was macht in Ihren Augen als Redakteur ein gutes Schulbuch aus?

Besonders wichtig ist natürlich, dass die Materialien und Aufgabenstellungen für die Schülerinnen und Schüler motivierend sind. Auch sollte ein Lehrwerk möglichst leicht zugänglich sein. Idealerweise kann die Lehrkraft das Buch aufschlagen und ohne große Vorbereitung losunterrichten. Dazu bedarf es eines klaren Konzepts und einer übersichtlichen Gestaltung.

Können Sie uns etwas darüber erzählen, was für den Englischunterricht in der Oberstufe heute besonders wichtig ist?

Im Zentrum sollte eine umfassende Kompetenzschulung stehen, insbesondere in der Oberstufe in Vorbereitung auf das Abitur. Da kommt es darauf an, dass die Schülerinnen und Schüler genau wissen, wie sie bestimmte Aufgaben bearbeiten müssen. Diese Kompetenzen sind heutzutage für die Bearbeitung einer Abiturklausur in der Regel deutlich wichtiger als konkrete Inhalte, weshalb sie gerade in der Oberstufe auch im Unterricht die Hauptrolle spielen sollten. Im Fremdsprachenunterricht ist darüber hinaus wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler zu kompetenten Sprechenden werden. Mündlichkeit ist deshalb enorm wichtig und außerdem die Bereiche interkulturelle kommunikative Kompetenz und Sprachbewusstheit.

Was ist das Besondere an Camden Town Oberstufe? Womit hat es den Titel „Schulbuch des Jahres“ verdient?

Das Besondere an dem Buch ist die kleinschrittige Kompetenzschulung im sogenannten Workshop. Hier werden der Umgang mit einer zentralen Textsorte (z.B. Romanauszug, Zeitungsartikel) und die Arbeit an den wichtigsten mit diesen Textsorten verknüpften Aufgabenstellungen aus allen drei Anforderungsbereichen kleinschrittig eingeübt. So ähnlich funktioniert auch das Skills training, nur dass hier der Umgang mit den kommunikativen Teilkompetenzen Listening, Viewing, Mediation und Speaking trainiert wird. In der Begründung der Jury werden noch drei andere Aspekte hervorgehoben: unser Differenzierungskonzept, unsere Aufgaben und Sonderseiten zu Sprachbewusstheit und der umfangreiche Einsatz von Videos.

An dem Lehrwerk haben natürlich nicht nur Sie alleine gearbeitet, sondern eine Vielzahl an Leuten. Können Sie uns einen kurzen Überblick geben, wie ein Englischbuch entsteht?

Bei diesem Buch haben sieben Autorinnen und Autoren mitgearbeitet. Die meisten haben schon vorher mehrere Bücher gemacht, einer war das erste Mal dabei. Alle meine Autoren sind Lehrer. In Ausnahmefällen kann auch mal ein Fachdidaktiker von der Uni als Autor dabei sein, aber gerade für die Schülerbände finde ich es besonders wichtig, dass die Autoren regelmäßig vor der Klasse stehen und somit wirklich einschätzten können, welche Aufgaben funktionieren und idealerweise auch, wie die Schülerinnen und Schüler ticken. Einige Autoren sind neben ihrer Tätigkeit als Lehrer in der Referendarsausbildung tätig.

Auf einer ersten konzeptionellen Tagung wird zusammen mit den Autorinnen und Autoren eine grobe Kapitelstruktur erarbeitet, indem die Kompetenzen den Inhalten zugeordnet und daraus dann Kapitel erstellt werden. Grundlage bilden die Kerncurricula der Bundesländer. Dann erstellen die Autoren mehrere Manuskriptfassungen, die auf Tagungen im Team besprochen werden. Außerdem gibt es Beraterinnen und Berater, die die Manuskripte kommentieren.

Am Ende geht eine finale Manuskriptfassung an die Redaktion, womit für mich als Redakteur die heiße Phase beginnt. Ich prüfe und überarbeite die Manuskripte, bevor ich sie dann in den Satz gebe. Eine Setzerin oder ein Setzer erstellt nun aus den Manuskripten die tatsächlichen Buchseiten. Auch diese gesetzten Seiten müssen natürlich noch mal genauestens geprüft werden. Um das Ganze etwas aufzulockern, versuche ich noch passende Bilder zu finden und auch die Nutzungsrechte an Bildern, Texten, Audios und Videos müssen geklärt werden. Alles in allem ein ziemlich vielfältiger, langwieriger und komplexer Prozess, der sich über mindestens ein Jahr hinzieht, häufig deutlich länger.

Wir danken Ihnen herzlich für das Interview, Herr Schimming, und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Weitere Informationen zum Lehrwerk finden Sie im Webshop der Westermann Gruppe.

Die Fragen stellte Jack Nason.


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