Spontane Gespräche führen

Spontane Gespräche im Englischunterricht führen? Unbedingt! Denn es ist nie zu früh, die Gesprächskompetenz der Lernenden zu entwickeln. Die folgenden drei einfachen Methoden verdeutlichen die Bedeutung von Gesprächsstrategien für eine gelungene Kommunikation: mini chats, small talk und non-stop talking.

Mini chats   

Früh anfangen lohnt sich! Bereits in Klasse 5 lassen sich Gesprächsstrategien in mini chats einüben. Gemeinsam mit den Schülern werden Fragen zusammengetragen, die als prompts die Gespräche anstoßen und in Gang halten. Die Lernenden können ihr Vorwissen und ihre Ideen einbringen. So sind sie stärker am Unterrichtsgeschehen beteiligt. Die Fragen werden zunächst auf Flipchartbögen festgehalten und kommen dann in der nächsten Stunde in Form von chat cards als Gesprächsimpulse zum Einsatz. Die chat cards, als Gratis-Download bei Westermann verfügbar, wurden gemeinsam mit Schülern in Klasse 5 entwickelt.

Gesprächsstrategien als Scaffolding

Die Fünftklässler üben in ihren mini chats respektvolles und höfliches Verhalten ein. Hierbei verwenden die Lernenden Redemittel für die Eröffnung und Beendigung des Gesprächs, unter anderem Hi, how are you? oder It’s been nice talking to you. Die Redemittel halten das Gespräch aufrecht, indem sie Strategien einsetzen wie Interesse zeigen, Fragen stellen, Zeit gewinnen. Dazu verwenden sie die entsprechenden einfachen phrases. Weitere Anregungen, ausführliche Anweisungen sowie language support liefert die Methode Quick chats der „Methodenkarten Englisch — Sprechen fördern“.

Tipp: Rituale

Um in spontanen Gesprächen sofort abrufbar zu sein, müssen Lernende Gesprächsstrategien häufig anwenden, am besten kontinuierlich. In den Jahrgangsstufen 5 und 6 kann dies zum Beispiel rituell als Stundenauftakt geschehen. Die Lernenden verwenden dazu ihre Let’s talk booklets, die Redemittel für unterschiedliche Kommunikationssituationen enthalten.

Small talk

Bei der Methode small talk wenden die Schüler nicht nur Gesprächsstrategien in spontanen Gesprächen an, sondern reflektieren auch ihren Strategieeinsatz. Die Methode ermöglicht simultanes Arbeiten: Die Lernenden arbeiten in Vierer-Teams zusammen (ein Tisch). Jedes Team besteht aus zwei Sprechern (talkers) und zwei Beobachtern (observers). Alle Schüler einer Gruppe erhalten conversation fans mit Redemitteln für spontane Gespräche und Feedbackbögen (Download). Die Sprecher führen ein Gespräch zu einem Impuls und verwenden dabei die Gesprächsstrategien auf ihren conversation fans. Die Beobachter machen sich Notizen, haken die verwendeten Strategien und Redemittel auf den Rückmeldebögen ab und geben Feedback. Dabei konzentriert sich jeder Beobachter nur auf einen Lerner und überprüft die Verwendung der vereinbarten Redemittel. Anschließend erfolgt ein Rollentausch. Es werden mehrere Gesprächsrunden durchgeführt, wobei in jeder Runde eine Mindestanzahl von Gesprächsstrategien eingefordert wird.

Im Method Guide 1 finden sich Vorlagen für conversation fans auf unterschiedlichen Anspruchsniveaus. Die feedback sheets, als Gratis-Download bei Westermann verfügbar, enthalten die Redemittel der conversation fans.

Tipp: Progression sicherstellen, Anspruchsniveau steigern

Um eine Progression zu ermöglichen, werden die Anforderungen erhöht, etwa in verschiedenen Runden oder in aufeinanderfolgenden Stunden. Zunächst vereinbart der Lehrer mit den Schülern eine Mindestanzahl an Redemitteln, die in der ersten Gesprächsrunde genutzt werden sollen. Die Lernenden entscheiden selbst, welche Strategien sie verwenden möchten und klappen die entsprechenden Redemittel in ihrem Fächer aus. In der nächsten Runde muss zusätzlich mindestens eine weitere Strategie zum Einsatz kommen. So behält auch die Lehrkraft den Überblick: Ein Blick auf die ausgeklappten Fächer zeigt, wie viele Redemittel die speakers einsetzen.

Non-stop talking – aktives Zuhören einüben

Die Methode non-stop talking eignet sich als warm-up, um aktives Zuhören einzuüben. So geht’s:

Die Lernenden arbeiten zu zweit zusammen und legen fest, wer A und wer B ist. In der ersten Runde übernimmt A die Rolle des Sprechers und äußert sich 30 Sekunden oder eine Minute lang zusammenhängend zu einem vorgegebenen Thema. B demonstriert aktives Zuhören, darf jedoch nur nonverbale Strategien einsetzen, zum Beispiel eine zugewandte Körperhaltung oder eine entsprechende Mimik. In der zweiten Runde werden die Rollen getauscht: B redet und versucht, das Gespräch nicht abreißen zu lassen, A hört aktiv zu, darf aber durch kleine verbale Äußerungen zum Weiterreden ermutigen.

Im Method Guide 1 finden sich ausführliche Hinweise zum Einsatz der Methode non-stop talking sowie Redemittel für talkers & listeners, u.a. encouraging, paraphrasing.

Strategien anwenden und Wortschatz erweitern

Die Lernenden erwerben mit diesen drei Methoden nicht nur spielerisch Gesprächskompetenz, sondern erweitern auch ihren Wortschatz. Denn für jede Strategie steht eine Auswahl an Redemitteln zur Verfügung. Damit diese auch alle zum Einsatz kommen, sollte immer wieder daran erinnert oder ein Mindestmaß eingefordert werden. Besser noch: Die Lernenden reflektieren im Anschluss an sprachaktive Phasen selbst, wie die Interaktion verlaufen ist und welche Redemittel sie verwendet haben.

Zum Weiterlesen:

Henseler, Roswitha. 2016. „I Wanna Talk! Sprechkompetenz entwickeln und unterstützen.” Der fremdsprachliche Unterricht Englisch 50. H. 143. 29-35.

 


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