Europa setzt auf Virtual Exchange (Teil 2)

Innovative pädagogische Ansätze und die Nutzung digitaler Werkzeuge

Auf europäischer Ebene wird im Rahmen der Digitalisierungsstrategien schon seit längerem auf virtual exchange gesetzt. Der Digital Economy and Society Index weist darauf hin, dass nur 20 bis 25 Prozent der Schüler und Schülerinnen in Europa von Lehrenden unterrichtet werden, die sich sicher fühlen im Umgang mit Technologie im Unterricht. Und nur ein kleiner Teil der Studierenden entwickelt inter- und transkulturelle Erfahrungen, indem sie an internationalen Mobilitätsprogrammen wie Erasmus+ teilnehmen (European Commission, 2015).

Um hier Abhilfe zu schaffen, setzt die EU verstärkt auf virtual exchange. Von 2011 bis 2014 wurde das INTENT-Projekt finanziert, um ein größeres Bewusstsein für virtual exchange in der Hochschulbildung zu schaffen.  2017 publizierte die Europäische Kommission eine große Durchführbarkeitsstudie zum Potenzial von virtual exchange und dem folgend, startete Erasmus+ mit Virtual Exchange ein Vorzeigeprogramm, das zum Ziel hat, den Anwendungsbereich des Erasmus+-Programms durch virtual exchange auszudehnen (European Commission 2017).

Die darauf aufbauende EVE-Initiative entwickelte eine sichere und motivierende Online-Gemeinschaft (https://europa.eu/youth/erasmusvirtual), in der junge Leute von 13 bis 30 aus unterschiedlichen Bildungskontexten an geleiteten Diskussionen teilnehmen. Ziel ist, ihr interkulturelles Bewusstsein und weitere Fertigkeiten und Kompetenzen in interkulturellen Lernkontexten zu entwickeln. Dazu werden Web-Konferenz-Werkzeuge, die sozialen Medien und andere Technologien eingesetzt. Bis Ende 2019 werden an diesem Programm 200.000 junge Leute teilnehmen.

Damit einhergehend fordert die Europäische Kommission auch eine Änderung der methodischen Ansätze im Unterricht. In ihrem Projekt Education and Training 2020 wird konstatiert, das Lernen auf hohem Niveau nur gelingt, wenn Lehrkräfte innovative pädagogische Ansätze einsetzen und dabei digitale Werkzeuge nutzen, das heißt “reap the benefits of new [Information and Communication Technology (ICT)] developments and adopt innovative and active pedagogies, based on participatory and project-based methods” (European Council and Commission, 2015, p. 5).

Um Technologie besser in den Unterricht zu integrieren, sollten Lehrkräfte ermutigt werden, kollaborative Ansätze in ihren Unterricht einzubauen. Dazu sollten Lehrerbildungsinstitutionen Schritte unternehmen, um Lehrende dazu zu bringen, sich in “networks, professional learning communities and other partnerships” (European Council and Commission 2015, p. 36) zu engagieren. Der Bericht des Europäischen Parlaments von 2018, ist hier sehr deutlich in seiner Schlussfolgerung: “The digital transformation does not only require education in digital skills. Rather, its implications also have the potential to transform teaching methods. Unfortunately, this potential is not being fully tapped into as teachers need to be educated themselves” (European Parliament 2018, p. 8).

Virtual exchange in den Bildungsplänen und Schulbüchern

Leider spielt virtual exchange in den einschlägigen Bildungsplänen, in denen inzwischen viel über Digitalisierung gesprochen wird, noch keine große Rolle. Es ist aber gerade für die Fremdsprachen ein wichtiger Baustein, wenn es um die Digitalisierung der bestehenden Lernumgebungen geht und Kommunikation in Echtzeit und damit als Ernstfall zu ermöglichen. Die Lehrbücher der Verlage sind im Vergleich zum Teil schon weiter, werden doch Schüler und Schülerinnen in vielerlei Form auf virtual exchange projects vorbereitet.

In Camden Market (2017) zum Beispiel werden für die 6. Klasse Aufgaben zur Entnahme von Informationen aus Websites, zum Verstehen von Blog-Einträgen oder zum Erstellen von E-Mails angeboten. In Camden Market 5 wird auf Blogeinträge reagiert und Ratschläge gegeben, auch wird mit technischen Anwendungen wie Podcasts oder Videoclips gearbeitet. Hierbei lernen die Schüler und Schülerinnen, Informationen zu entnehmen und wiederzugeben. Und in Camden Market 6 entwickeln sie chats. So werden digitale Kompetenzen für den virtuellen Austausch entwickelt.

Die Themen der Lehrbucheinheiten bieten schon in der unteren Mittelstufe gute Grundlagen, um auf der Basis dann in kurze virtual exchange projects einzusteigen, so etwa Theme 1 in Camden Market 2, wo sich Schüler und Schülerinnen auf Basis des behandelten Wortfelds Schule mit Jugendlichen in anderen Ländern über ihre unterschiedlichen Schulerfahrungen austauschen können.

Die aufgabenbasierte Struktur der Einheit unterstützt damit eine Vielzahl an Projektmöglichkeiten, die einen direkten Ausstieg aus dem Buch erlaubt. So kann man erste kleine Projekte auf Basis des Schulbuchs anschieben und zum Beispiel mit befreundeten Lehrenden im Ausland oder im Kontext von internationalen Schulpartnerschaften organisieren. Die Tatsache, dass der deutsche Lehrerpreis 2017 für das Glas-Projekt, bei dem Schüler und Schülerinnen sich im Rahmen des regulären Fachunterrichts durch regelmäßige Videokonferenzen mit gleichaltrigen Teilnehmern der niederländischen Partnerschule in ihren jeweiligen Muttersprachen unterhielten, vergeben wurde, zeigt, wohin die Reise gehen kann und sollte.

Organisation von Projekten

Bei der Organisation von virtual exchange projects gibt es online viele Formen der Unterstützung, sei es beim Finden möglicher Partner (siehe auch Unicollaboration für ältere Lernende ab Klasse 10), bei Projektideen oder verschiedenen Aufgabenformaten (siehe O’Dowd 2007).

Plattformen zur Partnerfindung

Hier werden jeweils auch unterschiedliche Aufgabenformate und Materialien zur Verfügung gestellt:

Kommunikationswerkzeuge für virtual exchange projects

 

Lesen Sie im ersten Teil mehr über die didaktischen Grundlagen: Europa setzt auf Virtual Exchange (Teil 1)

Literaturhinweise

European Commission (2015). Erasmus – facts, figures & trends. The European Union support for student and staff exchanges and university cooperation in 2013-14. Publications Office of the European Union. http://ec.europa.eu/assets/eac/education/library/statistics/erasmus-plus-facts-figures_en.pdf

European Commission (2017). Study on the feasibility of an Erasmus+ Virtual Exchange initiative: final report. European Commission. https://slidelegend.com/erasmus-virtual-exchanges-feasibility-study-european-commission_59fada1e1723dd05c03878f8.html

European Council and Commission (2015). The implementation of the strategic framework for European cooperation in education and training (ET2020). New priorities for European cooperation in education and training. Online report. http://ec.europa.eu/dgs/education_culture/repository/education/documents/et-2020-draft-joint-report-408-2015_en.pdf

European Parliament (2018). Draft report on education in the digital era: challenges, opportunities and lessons for EU policy design (2018/2090(INI)). http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=COMPARL&reference=PE-623.621&format=PDF&language=EN&secondRef=01

O’Dowd, R. (Ed.). (2007). Online intercultural exchange: An introduction for foreign language teachers. Clevedon, UK: Multilingual Matters.

O’Dowd, R., & Lewis, T. (Eds). (2016). Online intercultural exchange: policy, pedagogy, practice. Routledge studies in language and intercultural communication. Taylor & Francis Ltd.

O’Dowd, R., & Ware, P. (2009). Critical issues in telecollaborative task design. Computer Assisted Language Learning, 22(2), 173-188.


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