Was für einen Englischunterricht brauchen wir?

Digitale Medien im Fremdsprachenunterricht

Im Rahmen des 28. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Fremdsprachenforschung, der Ende September in Würzburg stattfand, lud die Westermann-Gruppe zum TEA-Talk ein. Im Mittelpunkt stand die Zukunft des schulischen Englischunterrichts. An der Diskussionsrunde des Beirats, moderiert von TEA-Sprecher Prof. Dr. Jürgen Kurtz, nahmen rund 80 Gäste teil. Ein Rückblick.

Im Kontext der Digitalisierung geraten Schulen in Zugzwang; manche Englischlehrkräfte fürchten angesichts neuer englischsprachiger Angebote im World Wide Web sogar um ihr berufliches Dasein, und die rege Nutzung von Social-Media-Kanälen wie Instagram und WhatsApp scheint selbst die Muttersprache so maßgeblich zu verändern, dass auf den Erwerb von Bildungssprache letztlich viel Unterrichtszeit verwendet werden muss.

Beim TEA-Talk wurde zunächst ein Status Quo des Englischunterrichts eruiert. So stieg TEA-Sprecher Prof. Dr. Jürgen Kurtz mit einem Übersetzungsbeispiel ein. Er präsentierte einen Kurztext eines kanadischen liquor store. Den Text von der Nova Scotia Liquor Commission ließ Kurtz mittels des Onlinedienstes DeepL übersetzen. Dabei demonstrierte er, dass dieses von Künstlicher Intelligenz-gestützte System aktuell noch nicht in der Lage ist, kulturelle Kontexte zu erkennen und den Text entsprechend korrekt zu übersetzen. Um eine Sprache vollends zu verstehen, ist transkulturelles Weltwissen (word knowledge vs. world knowledge) von Bedeutung. Prof. Dr. Konrad Schröder ergänzt: „Es geht beim Sprachenlernen darum, ein metalinguistisches Bewusstsein zu entwickeln. Hierzu braucht die Lehrkraft viel Fingerspitzengefühl. Sie muss anleiten und jeden Moment wissen, was sie tut. Sprache ist nämlich etwas Intimes“.

Grundlegende Fragen klären

Schröder meint, die derzeitige Situation verunsichere die Lehrkräfte. Daher sei es notwendig, grundlegende Fragen zu klären, Unklarheiten aus dem Weg zu schaffen und übergreifende Zielsetzungen aufzustellen: „Weiß denn überhaupt schon jemand, wie die zukünftige Theorie des Englischunterrichts aussehen soll?“, fragte Schröder. Dr. Christa Lohmann fügte hinzu, man müsse „die digitalen Angebote systematisch prüfen, und zwar unter Berücksichtigung, inwieweit Lehrer von der jeweiligen Lösung profitieren als auch entlastet werden und wo sie den Lernenden mit ihrem jeweiligen Wissensstand helfen können“.

Es entstand eine lebhafte Diskussion. Viele der Gäste äußerten ihre Meinung. Grundtenor war, dass der Spracherwerb von einem Gegenüber abhänge. Zum einen müsse jeder erleben, was es bedeute, sich mittels einer Fremdsprache mit einem anderen Menschen zu verbinden. In dieser Situation herrscht kaum Kontrolle des Kommunikationspartners, anders als man es beim machine learning vorfindet. Gerade der Freiraum, der beim Sprechen entstehe, ist von so großer Bedeutung. Letztlich geht es um die vielen Facetten einer Kultur. Und kulturelles Wissen, so eine Teilnehmerin, die sich selbstbewusst als Digital Native vorstellte, sei selbst bei Memes, die User in social networks teilen, unabdingbar.

Der digitale Wandel hat zweifellos Einfluss

Wissen und ein Gespür für kulturell angemessene Höflichkeit zu entwickeln, das Beherrschen vieler Register und von Bildungssprache werden folglich eine zentrale Aufgabe des Fremdsprachenunterrichts bleiben. Prof. Dr. Karin Vogt bekräftigte, dass es nach wie vor die Lehrkräfte sind, die mit ihrer didaktisch-methodischen Kompetenz die fremdsprachliche Entwicklung der Lernenden begleiten. Zudem herrschte Einigkeit darüber, dass der Fremdsprachunterricht durch den digitalen Wandel beeinflusst wird. Dies zeige sich bereits jetzt an den Stundentafeln für zweite und dritte Fremdsprachen. Es werden viele Stunden gestrichen. Kontrovers beurteilten die Teilnehmer, ob es gelinge, eine Theorie des Englischunterrichts zu entwickeln, die einer zielführenden Konzeption digitaler Unterrichtsmedien vorausgehen könne.

Halten wir fest: Es geht um Face-to-Face-Kommunikation, beim Englischlernen vor allem um das Kennenlernen und Verstehen einer Kultur, einer Sprachkultur. Daher ist es notwendig, die Lernwirksamkeit von Lernmedien zu untersuchen. Ziel hierbei sollte stets sein, zu hinterfragen, wie sich ein didaktisch sinnvoller Ansatz durch Technologien verbessern lässt. Es ist insofern notwendig, eine neue Theorie des Englischunterrichts zu entwickeln. Letztlich ist es ein großer Vorteil von digitalen Anwendungen, dass Lehrkräfte die adaptiven Funktionen von digitalen Medien nutzen und so einen individualisierten Englischunterricht gestalten können.


Diesen Artikel kommentieren

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.