Wortschatz lernerorientiert

 

 

 

Isoliert geübter Wortschatz lässt sich viel weniger ins Langzeitgedächtnis überführen als kontextualisierte Redewendungen, da diese sehr viel situationsbezogener sind. Dieser Beitrag setzt sich daher mit den folgenden Fragen auseinander: Welcher Wortschatz ist lernwürdig? Welche Hilfsmittel gibt es für Lehrer und Lernende? Und wie lässt sich der Wortschatz schließlich gut überprüfen?

Welcher Wortschatz ist lernwürdig?

Vom Grundkonsens ausgehend, dass alle Lerner unterschiedlich sind und Fehler zum Lernprozess gehören, stellen vielfältige binnendifferenzierte Angebote und individuelle Wege der Aneignung von Wortschatz eine Selbstverständlichkeit im modernen Fremdsprachenunterricht dar.

Wortschatz und Grammatik gehören eng zusammen. Denn wenn man Wortschatz als „meaningful lexical items and chunks you need to communicate“ begreift, ist das Konzept lexikalischer Grammatik damit inbegriffen. Lexical chunk‘ is an umbrella term which includes all the other terms. We define a lexical chunk as any pair or group of words which are commonly found together, or in close proximity. ‚Collocation‘ is also included in the term ‚lexical chunk, …‘ (Carlos Islam und Ivor Timmis). Damit ist auch schon erklärt, warum ein sehr großer Wortschatz lernwürdig ist, nämlich damit Kommunikation gelingt. Ebenfalls ist deutlich, warum eine dauerhafte Motivation für das Wortschatzlernen notwendig ist.

Wie kann man Lernende unterstützen?

Zur Frage wie sich relevanter Wortschatz lernen und im Gedächtnis ablegen lässt, ist die Abhängigkeit von den folgenden Faktoren zu betrachten:

  • der Qualität der Wahrnehmung je nach Lernpräferenz (z.B. Bodily-Kinesthetic, Musical-Rhythmic, Intrapersonal, Logical-Mathematical, Naturalistic, Interpersonal, Visual-spatial oder Verbal-Linguistic)
  • der wahrgenommener Relevanz, wie sie etwa in einem Lernlogbuch deutlich wird
  • des Weltwissen des Lerners
  • des sprachlichem Vorwissen des Lerners
  • den vom Lerner beherrschten Techniken und Strategien
  • der Anzahl der Wiederholungen zur Umwälzung und Aneignung
  • der Qualität der Verwaltung und Möglichkeiten der kreativen Anwendung in neuen Kontexten

Hierzu verwende ich passend swap cards, die die Schülerinnen und Schüler mit der Methode millling around tauschen. Die Vokabellisten mit useful phrases werden genutzt, um neuen Wortschatz im Zusammenhang kennenzulernen, mit der Methode des buzz reading (individuelles Lesegemurmel im Klassenraum) für die richtige Aussprache und Intonation zu sorgen, zu lernen (Fettgedrucktes) respektive zu sprachmitteln (chunks), sich selber oder gegenseitig abzufragen und individuell zu verschriftlichen. Beim Letzteren ist durch das Umknicken des Blattes in Längsrichtung sowohl das englische als auch das deutsche Äquivalent als Gedächtnisleistung eines chunk in Eigenarbeit zu leisten und durch das Aufklappen direkt mit einer Selbstkontrolle versehen. Dies ist besonders für die vielen Lerner mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (RLS) von großem Vorteil.

Wie lässt sich Wortschatz überprüfen?

Zur Überprüfung des Wortschatzes dienen sowohl die Verwendung in Kurztests (niemals als dekontextualisierte Gleichungen einzelner Wörter!) als auch die kompetente Verwendung in Klassenarbeiten (implizites Wissen als Teil der Aufgabenerfüllung in den Teilkompetenzen Listening, Reading, Writing, Mediation). Dies entspricht einem formative testing. Dazu können die Vorlagen von den useful phrases mit Lücken ebenso verwendet werden wie die in den Vorschlägen für die Lernkontrollen vorhandenen Übungen. Jede Form von mindmapping, multiple choice, matching oder gap filling  ist ebenso geeignet, wenn sie Zusammenhänge herstellt und aus Situationen entsteht. Sinnvoll ist auf jeden Fall, differenzierte Schreibaufgaben vorzugeben, um unterschiedliche Lerner nicht zu über- oder unterfordern.

Vor allem aber zeigt sich die Fähigkeit, Wortschatz mündlich und schriftlich im Klassenraum adäquat anzuwenden, in Aufgabenformaten in Partner- und Kleingruppen, die zudem die Sprechzeit der Schülerinnen und Schüler wesentlich erhöhen. Außerdem zeigen Lerner in Rollenspielen und Präsentationen vor der ganzen Lerngruppe, welchen Wortschatz sie sich angeeignet haben (summative testing).

Hierzu gehört, dass die Lernenden mit Sprache flexibel umgehen können, situationsgerecht sprachlich agieren und, wenn die korrekten Vokabeln fehlen, diese umschreiben oder mit Gestik und Mimik so unterstützen können, dass Kommunikation gelingt. Im Idealfall können Lernende den Wortschatz auch an die Lerngruppe weitergegeben (peer teaching).

Literatur

At work, Ausgabe 29: Sinnvolle Wortschatzarbeit im Unterricht

Carlos Islam& Ivor Timmis: Lexical Approach 1 – What does the lexical approach look like? british Council, BBC: Teaching English: online auf www.teachingenglish.org.uk/article/lexical-approach-1-what-does-lexical-approach-look 

Materialien für kompetenzorientierten Unterricht: Binnendifferenzierung im Sekundarbereich I Englisch, Herausgeber: Niedersächsisches Kultusministerium, 2012.

Schulverwaltungsblatt 12/2018. S. 739-744 Nichtamtlicher Teil, Thema des Monats: Wortschatzarbeit im Fremdsprachenunterricht. Herausgeber: Niedersächsisches Kultusministerium.

Die Beispiele in diesem Artikel stammen aus dem Lehrwerk Notting Hill Gate 1, Braunschweig: Westermann. 

 

 

Bildquellen

  • NottingHillGate_Band_1_S_144: Illustrationen auf dem Arbeitsblatt: Ulf Marckwort für Westermann Gruppe

Diesen Artikel kommentieren

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.